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Pläne sind zum Ändern da

20. September 2026, 15:44 Uhr von Uwe

Der eigentliche Plan entstand direkt nach dem Urlaub 2023, denn da hatte ich noch eine Rechnung offen – ich hatte damals eine Wanderung vom Berninapass runter Richtung Pontresina gemacht und hatte die letzten paar Kilometer nach St. Moritz dann sausen lassen, weil meine Knie nicht mehr mitmachen wollten. Also war genau dieses fehlende Teilstück nun Teil des Plans. Dann kam allerdings alles etwas anders.

Die erste Amtshandlung des Tages war natürlich wie immer die relative Menschwerdung unter Einfluss von Kaffee, Orangensaft und Wurstbrötchen. Bevor es danach nun aber zur eigentlich geplanten Wanderung losgehen konnte, war ein Abstecher beim Optiker notwendig, denn die kaputte Sonnenbrille musste ja noch repariert werden. Der Optiker öffnete seine Pforten um 9 Uhr, also stand ich kurz nach neun bei ihm. Ausnahmsweise war ja nicht bei mir die Schraube locker, sondern an der Brille. Während der Optiker da also am reparieren war lief ich mal runter zum Bahnhof und guckte, wie sich das zeitlich alles mit meinen Tagesplänen vertragen würde.

Der ursprüngliche Plan war, von St. Moritz aus über Pontresina zur Montebellokurve zu laufen, da Fotos von Bahn und Gletscher zu machen und dann hinunter zur Station Morteratsch zu spazieren und da die Wanderung zu beenden. Nachdem die Temperaturen wieder in der Kategorie „höllisch heiß“ vorhergesagt waren wurde der Plan dann direkt schon mal geändert und die Wanderung gekürzt – der Teil von St. Moritz nach Pontresina wurde gestrichen. Also genau der Teil, mit dem ich ja schon noch eine Rechnung offen hatte, aber andersherum – also nur bis Pontresina laufen – wäre reichlich witzlos als „Tageswanderung“ von den Entfernungen her.

Nun sah ich aber am Bahnhof, dass der Zug nach Pontresina grade abgefahren war und der nächste erst in einer Stunde fahren würde. Ich würde also nach der Brillenreparatur noch eine reichliche halbe Stunde am Bahnhof hocken müssen und den Temperaturen beim Steigen zuschauen können. Also wurde die Planänderung direkt wieder geändert, denn nichts ist so konstant wie die Veränderung.

Zunächst marschierte ich mal wieder zurück zum Optiker, verzählte mich zum wiederholten Male beim Zählen der Treppenstufen und wurde anschließend sehr davon überrascht, wie teuer die Brillenreparatur war. Die war nämlich komplett kostenlos, aber zum Glück nicht umsonst, denn die Schraube war wieder fest und das Glas saß sicher in seinem Rahmen. Damit konnte nun die eigentliche Wanderung beginnen.

Wanderung (7.1 km, 2:09h, ↗231m, ↘231m)

Anmerkung: Die Zeit enthält ordentlich Wartezeit am Bahnhof Pontresina.

Damit der Spaziergang nach Pontresina nicht gar zu kurz wurde lief ich vorher noch eine Runde um den St. Moritzersee. Der Weg da ist topfeben, mir kamen Unmengen von Joggern und Joggerinen entgegen und es war gegen halb zehn Uhr schon verflixt heiß. In Richtung Pontresina geht es dann sehr moderat den Berg hoch, dann kommt der nächste See (Lej da Staz) und dahinter folgt dann ein sehr gemütlicher Waldspaziergang ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Im Wald und somit im Schatten war es noch einigermaßen erträglich, aber es war bereits jetzt klar, dass der zweite Teil Richtung Montebellokurve keine gute Idee sein würde.

Der Weg dahin führt konstant bergauf, man läuft der hochstehenden Sonne entgegen und erreicht dann auch die Baumgrenze. Die Luft war drückend schwül, für den Abend waren Gewitter angesagt, und somit wurde die Planänderung der Planänderung nun – Überraschung – geändert. Den Abschnitt zwischen St. Moritz und Pontresina hatte ich ja nun auch im Kasten.

Gegen Gegen halb zwölf hatte ich den Bahnhof Pontresina erreicht und überlegte mir, dass ich ja nun einfach noch eine Runde mit der Bahn fahren könnte – da gibt es prima Klima, die tolle Natur kann man sich ja trotzdem anschauen. Gesagt, getan. Der nächste Zug fuhr kurz nach zwölf in Richtung Berninapass, und ich fuhr mit.

Bahnfahrt nach Alp Grüm (21.4 km, 0:50h, ↗436m, ↘122m)

Die üblichen Ausblicke an der Strecke kenne ich ja alle – die Strecke ist für mich die spektakulärste Bahnstrecke Europas und ich war schon mehrfach da unterwegs. An der Station Morteratsch war mächtig Betrieb, was bei diesem Wetter wenig verwundert. An der Montebellokurve war wieder mal allerbester Gletscherblick angesagt, während im Stausee am Berninapass sehr sehr viel Wasser fehlte. Der Wasserspiegel war sicher 10 Meter zu niedrig. Es hatte seit Monaten nicht genug geregnet, und so riesig groß sind die Gletscher da oben auch nicht mehr.

Kurz vor 13 Uhr war ich also an der Station Alp Grüm angekommen. Bei meinem letzten Besuch dort war die tolle Aussicht durch eine Baustelle zugestellt. Das war diesmal kein Thema, es gab einen perfekten Blick ins Tal und auf viele dunkle Gewitterwolken, die sich darüber zusammenbrauten. Selbst auf knapp 2100m Höhe waren die Temperaturen allerdings kaum auszuhalten, weswegen ich nach ein paar Fotos ganz schnell den Rückzug antrat und in den nächsten Zug Richtung St. Moritz stieg.

Rückfahrt (27.2 km, 1:04h, ↗189m, ↘540m)

Ich genoss also noch einmal die schöne Aussicht aus dem Zug heraus und verkrümelte mich auf der Flucht vor der Hitze zunächst mal ins Hotel zum verspäteten Mittagsschlaf. Die letzten Nächte waren ja aufgrund der Temperaturen auch schon nicht unbedingt die längsten gewesen. Der weitere Nachmittagsplan sah anschließend einen Eisbecher und ein gemütliches Abendessen vor.

Man ahnt es, auch der Plan wurde nochmal geändert. Als ich gegen 15:30 Uhr aus dem Mittagsschlaf erwachte war draußen die Sonne hinter komischen Wolken versteckt, es wehte ein ziemlich ordentlicher Wind und es kamen sogar einzelne Regentropfen herunter. Also wurde der Eisbecher gestrichen und durch einen ausgedehnten gemütlichen Stadtspaziergang ersetzt. So wahnsinnig groß ist St. Moritz ja dann auch wieder nicht, man muss nur ein wenig aufpassen mit den Höhenmetern, die Temperaturen waren jetzt aber vergleichsweise angenehm und die neu gekaufte Windjacke konnte erstmals sinnvoll eingesetzt werden.

Der finale Spaziergang des Tages führte schließlich abends in die Pizzeria neben dem Hotel. Da wurde ich auf den 50m Fußweg tatsächlich nass, was aber dem Geschmack keinen Abbruch tat. Und so konnte ich anschließend vollgefuttert und zufrieden ins Bett fallen. Trotz aller Planänderungen war es am Ende doch ein guter Tag geworden. Und am nächsten Tag wurde deutlich mehr gewandert.

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